Dienstag, 18. August 2026

Blackout

Mit den drei Wörtern: "Nase - dunkel - Eimer" habe ich schon im März letzten Jahres ein Drabble geschrieben, heute war mir mal wieder danach, eine 100-Wörter-Geschichte zu verfassen und habe mich erneut von den drei Begriffen inspirieren lassen.

Verdaddert reibt Erwin sich die schmerzende Nase. Wo bitte ist er dagegen gelaufen? Es war so dunkel, dass er nicht mal seine Hand vor den Augen erkennen kann. Unsicher bleibt er stehen. Und als hätte sein Gehirn diese Pause gebraucht, liefert es jetzt langsam die Bilder, die ihm seine Situation erklären. Ganz plötzlich war der Strom im Haus weg gewesen und Hilma, seine Mutter hat ihn in den Keller geschickt, um die Sicherungen zu kontrollieren. Dabei muss er gegen einen Türstock gelaufen sein. Vorsichtig greift er an seinen Riechkolben und spürt ein Knochenstück herausragen. Na super, die ist im Eimer.

Dienstag, 21. April 2026

Gesangstalent

Lalalaaaa, lalalalalalalalaaaaaa,  
ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Sing-Müllkübel heiß!


(Melodie "Speedy Gonzales" von Pat Boone)

Dienstag, 14. April 2026

Wenn ich nur könnte

Glaubt ihr vielleicht, mir macht das Spass, mein ganzes Leben lang so missmutig drein zu schauen? Glaubt ihr, ich würde nicht auch gerne mal grinsen, wie ein lustiges Scheunentor? Aber jedes Mal, wenn ich es versuche, fällt mir eine Latte aus dem Gesicht.
 

 

Dienstag, 31. März 2026

Sam

Sam ist ein glücklicher Kaktus. Schon als ganz kleiner Steckling war auffällig, dass er nie gejammert oder gestänkert hat. Auch nicht, als sie ihn mit den vielen Anderen von seiner Mutterpflanze entfernt und in das Gewächshaus gestellt haben. Das war aber nicht bei allen so. Da gab es in den ersten paar Tagen Seufzen und Jammern, dass er sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Nur hat er gar keine, er ist ja kein Ohrwaschlkaktus. Die standen in einer anderen Halle, weil sie mehr Platz brauchten. Er unterhielt sich jedenfalls gerne mit seinen Nachbarn, war aber trotzdem  froh, als er eines Tages in einen Lieferwagen gepackt und nach einer langen Fahrt wieder ausgeladen wurde. Begeistert schaute er seine Umgebung an. Das war kein Vergleich zu dem Gewächshaus, das er bisher kannte. Ein angenehmer Wind strich ihm um die Stacheln, er spürte etwas Warmes von oben und atmete tief durch. Und was es da alles zu sehen gab! Lauter andere Pflanzen, Steine, ein Gebäude, Menschen, die sich an seinen Verwandten zu schaffen machten. Einer dieser Menschen trug ihn dann auch an seinen neuen Wohnort, grub ihn sorgfältig ein und brachte nach und nach noch andere Pflanzen, die er ebenfalls einsetzte. 
Er erfuhr, dass sein Wohnort Mainau heißt und eine Insel ist. Dass sie berühmt ist. Da war er dann schon stolz, an diesem Ort zu stehen, weil ihn das ja auch ein wenig berühmt macht. Und so verbringt er seine Tage lächelnd, betrachtet die Menschen, die an ihm vorbei gehen und genießt sein Leben. 

Dienstag, 24. März 2026

Lord Voldeblatt

Ähem ... 
Wie ist denn das jetzt bitte passiert? Jahre- und jahrzehntelang bin ich der dunkle Lord, der Gefürchtete, dessen Name nicht ausgesprochen werden darf und jetzt liege ich hier am Boden rum und muss hoffen, dass keiner der Mitarbeiter so übermotiviert ist und mich zusammenkehrt?
 

Dienstag, 17. März 2026

Der schiefe Mund

Es ist passiert, als es noch ein ganz kleines Haus war. Es ging damals noch nicht mal in die Schule, sondern verbrachte seine Zeit mit den anderen Hauskindern auf den Höfen und in den Hallen seiner Firma. Aufsicht gab es keine und so passierte es beim Spielen, dass ein hohes Regal mit Stahlbetonplatten ins Rutschen geriet, als es sich gerade dahinter versteckte. Sein Mund, der bis dahin noch schön mittig auf seiner Fassade saß, wurde nach links verschoben und nicht nur das, es konnte auch nicht mehr mit den anderen mitspielen, weil es warten musste, bis eben dieses Regal für eine Baustelle leergeräumt und weggebracht wurde. 
Anfangs lachten die anderen immer, wenn es etwas sagte, weil es eben etwas schräg klang, gewöhnten sich dann aber daran. Und eines Tages fand der Firmenchef, dass er genau so ein Haus wie es benötigte, weil dort, wo es in Zukunft wohnen sollte, gar kein Platz für einen mittigen Mund gäbe und seit dem steht es glücklich gut angepasst an die Nachbarhäuser, schaut auf den Unteren Schrannenplatz und freut sich über alles, was dort passiert.