Samstag, 18. Mai 2019

Schwarzmalereien

I see a red door and I want to paint it black.

Er war Schwarzmaler von Beruf.
Sobald irgendwo ein Hauch von Optimismus aufgetaucht war, trat er auf den Plan und malte alles wieder schwarz. Sein Deckname war geheim, er arbeitete sauber und übersah nur sehr selten etwas Hoffnungsvolles. Er war sehr überzeugend, denn er sprach in einfachen, leicht verständlichen, aber doch sehr emotionalen Worten. Die Menschen liebten ihn, kleidete er doch viele ihrer Ängste, die sie selbst nicht benennen konnten, in Worte. Tat er das? Oder erzeugten seine Worte erst die Ängste?

Samstag, 9. März 2019

Freitag, 8. März 2019

Nachtrag zu Menschen

Während Frau Kurz Herrn Lang heiratet, setzt Herr Rauch ein Zeichen. Frau Sanftleben löst nach drei Jahren die Verlobung mit Herrn Wild. Die Familie Suppe nennt ihren Hund Kasper. Herr Händler war lange Jahr auf der Suche nach seiner Frau Else, geborene Buch.

Sonntag, 3. März 2019

Menschen - 1

 Gertrude A., geboren 1954 als jüngstes Kind ihrer Eltern Sabine und Hans A. zog im Jahre 1970 mit ihnen und den beiden älteren Geschwistern nach Letzendorf. Zwei Jahre später lernte sie auf einer Karnevalsveranstaltung ihren zukünftigen Mann Robert kennen und übersiedelte nach ihrer Heirat im Oktober 1974 gemeinsam mit ihm in die Hausmeisterwohnung eines roten Hauses in der Sonnenallee. Er hatte die Stelle als Hausmeister eben bekommen, sie arbeitete als Verkäuferin im Schuhgeschäft Wagner, ging ihm aber in ihrer Freizeit auch gerne bei seinen Arbeiten im und um das Haus zur Hand. Sie hielt sich viel im Gebäude auf und wusste, beinahe ohne es zu wollen, mit der Zeit viel über die Bewohner des Hauses. Da kam es schon vor, dass sie noch bevor es der Betroffene erfuhr, von Schwangerschaften und Trennungen sprach, von heimlichen Besuchen und verlorenen Arbeitsstellen. Für dieses Wissen war sie von den Bewohnern gleichermaßen beliebt und gefürchtet. Allerdings litt ihr Mann mehr und mehr unter ihrer Geschwätzigkeit, erlitt mit 40 einen Hörsturz und blieb danach sein restliches, langes Leben, linksseitig taub.

Samstag, 2. März 2019

Menschen - 9

 Egon M. wurde im Jahr 1949 in Salzburg als drittältester Sohn seiner Eltern Hermine und Heinrich geboren. 1955 begann er eine Schneiderlehre und arbeitete nach deren Abschluss bis zu seiner Pensionierung 2012 im Landestheater, erst als Mitarbeiter und später als Leiter der Herrenschneiderei. Seine beiden Brüder, die beide studiert hatten (Germanistik und Geographie auf Lehramt und Jus) landeten einige Jahre später ebenfalls dort. Der Ältere als Mitarbeiter der Tischlerei und zuständig für Requisitenreparaturen - er war nie glücklich im Lehrerberuf gewesen und fand handwerklich arbeitend seine wahre Berufung, der andere als Mitarbeiter der kaufmännischen Direktion. Schon bald wurden sie nur mehr die M.-Brothers genannt, als die sie noch Jahre nach ihrem Ausscheiden eine gewissen Berühmtheit behielten.

Freitag, 1. März 2019

Menschen - 8

 Hildegard B. aus Schwarzach verlor innerhalb eines Zeitraums von fünfzehn Jahren drei Ehemänner in Folge. Den Ersten durch einen Arbeitsunfall, bei dem Starkstrom und Unvorsichtigkeit mitspielten, den Zweiten durch einen Autounfall und den Dritten durch den Tsunami, der 2004 auf Thailand traf. Zwar lag die Vermutung nahe, dass er gar nicht in dem betroffenen Strandgebiet gewesen sein soll, aber er blieb ab diesem Zeitpunkt verschwunden und wurde auch ohne Auffinden seiner Leiche nach fünf Jahren für tot erklärt. Seit dem lebt sie mit W., einem guten Freund ihres zweiten Mannes zusammen. Heiraten wollen die Beiden aber vorerst nicht.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Menschen -7

 Herbert A. aus Hensfeld wuchs als Nesthäkchen mit drei Schwestern am Hof seiner Eltern, beide Nebenerwerbsbauern, auf. Da die Eltern wenig Zeit hatten, blieb er in der Obhut seiner Schwestern, die sehr streng zu ihm waren und ihn schon früh zur Hausarbeit einteilten. Ab seinem 12. Lebensjahr entwickelte er so einen Perfektionismus dabei, dass er niemanden mehr mitarbeiten lassen wollte und in laute Zornesausbrüche verfiel, wenn sich jemand diesem Wunsch widersetzte. Alle Versuche ihn für etwas anderes zu begeistern, schlugen fehl und mit siebzehn Jahren hatte er seine aus der Schulzeit eher rudimentären Englischkenntnisse so verbessert und genügend Geld gespart, dass er nach England zog, um sich an der University of West London zum Butler ausbilden zu lassen. Im Anschluss daran trat er einen Posten im Stammsitz einer gehobenen britischen Landadelfamilie in der Grafschaft Wiltshire an, den er bis zu seinem frühen Tod im Alter von 56 Jahren durch einen Schlaganfall, bekleidete.